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Bericht: Spannende Duelle bei der XC Eliminator WM

Allen Unkenrufen zum Trotz hat die neue MTB-Disziplin XC Eliminator bei der ersten entsprechenden Weltmeisterschaft in Saalfelden viel Action, Spannung und Sport auf hohem Niveau geliefert. Der von sich selbst überraschte Ralph Naef (Merida) und die kraftvolle Alexandra Engen (Ghost) gehen als die ersten Eliminator-Weltmeister in die Radsportgeschichte ein.

Die Vorgeschichte: Nach dem Aus der 4X World Cups und wurde von der UCI der Eliminator-Disziplin (vier Fahrer/innen sprinten auf einem kurzen und zumeist urbanen Kurs ohne technisch anspruchsvolle Elemente gegeneinander) eingeführt. Dies sorgte für eine Menge Unmut in der Bike-Szene, viele Fans und Fahrer empfanden das Vorgehen des Radpsortweltverbandes als falsch und schimpften auf die neue XCE Diszplin – zumal die Strecken manchmal auch etwas seltam waren. Doch die WM-Rennen am gestrigen Sonntag in Saalfelden haben gezeigt, dass die spannenden Kurzrennen gut ankommen und auch tollen Sport liefern können. Das Publikum sorgte für ordentlich Stimmung an der Strecke im Ort Saalfelden und die Athleten gaben alles, was tolle Duelle zum Ergebnis hatte! Am Ende hatten die Schweizer erneut viel zu feiern, aber auch die deutschen Sprinter haben sich toll in Szene gesetzt, wie z.B. Martin Gluth, Andy Eyring und Manu Fumic. Einige der Sprinter waren sehr jung und andere kamen aus anderen Radsport-Disziplinen – gewonnen haben jedoch zwei Racer, die auch schon am Vortag bei der XCO WM gut dabei waren.

Schweizer Triumph auch im XCE - Foto: Ale Di Lullo

Zum Abschluss die Premiere: Am letzten Tag der UCI Mountain Bike & Trials WM in Saalfelden Leogang wurde gestern zum ersten Mal der Cross Country Eliminator als WM-Disziplin ausgetragen. Die ersten Weltmeister des Cross Country Pendants zum 4X kommen aus der Schweiz und aus Schweden und heißen Ralph Naef und Alexandra Engen. Einige der besten Cross Country Fahrer der Welt, die bereits am Vortag in der Elite Klasse starteten, ließen es sich nicht nehmen bei der Eliminator Premiere mitzumischen. Der frischgebackene XCO-Weltmeister Nino Schurter (SUI) ebenso wie Manuel Fumic, die 4X-Weltmeisterin Anneke Beerten (NED), die drittplatzierte XCO-Athletin Georgia Gould und eben Ralph Naef gingen allesamt an den Start auf der 560 Meter langen Sprintstrecke imStadtzentrum von Saalfelden. Vor 4500 faszinierten Zuschauern waren heute Sprinter- und Taktikqualitäten gefragt. Naef trat unter den 32 Finalisten bei den Männern am schnellsten in die Pedale, auf das Podium folgten ihm Miha Halzer und Daniel Federspiel, der die erste und einzige Medaille für das Gastgeberland herausfuhr. Bei den Damen krönte sich Engen (SWE) zur ersten XCE-Weltmeisterin, vor Jolanda Neff (SUI) und Aleksandra Dawidowicz (POL).

Das erste XCE-WM-Podium - Foto: Ale Di Lullo

Bereits in der Einzel-Qualifikation für das Finale wurde deutlich, dass die besten XCO Fahrer nicht unbedingt in der Eliminator Spitze mitfahren. Einige große Namen, wie beispielsweise XCO-Weltmeister Nino Schurter schafften den Sprung unter die besten 32 gar nicht erst. Auch die Holländerin Anneke Beerten, die in Leogang den 4X-Wettbewerb gewann, verabschiedete sich bereits im Viertelfinale aus dem Wettkampf. Ab dem Achtelfinale wurde der Eliminator seinem Namen erst so richtig gerecht: Es wurde in 4er Heats gegeneinander gefahren, was zu spektakulären Zweikämpfen und einigen sehenswerten Kurvenmanövernführte.

Link: Replay der Live-Übertragung XCE WM Saalfelden

Der erste XCE-Weltmeister in der Geschichte der UCI war an diesem Tag das beste Beispiel, dass es nicht nur auf die Sprintstärke ankommt, sondern auch auf die Ausdauer. Naef war in allen Heats ausnahmslos auf den hinteren Plätzen gestartet, durch seine Erfahrung und seinen langen Atem kämpfte er sich jedoch Runde für Runde weiter. Im Finale traf er auf den Deutschen Christian Pfäffle (am Ende 4.), Daniel Federspiel (AUT, 3.) und den Slovenen Miha Halzer (2.), der als Qualifikationsschnellster in die Final-Heats gegangen war und dort dominant im BMX-Stil seine Läufe bestimmte – mit Variostütze und perfekter Bike-Beherrschung war der sprintstarke Newcomer kaum zu schlagen. Auch im Finale lag Ralph Naef zunächst auf dem letzten Platz und alles sah nach einem Sieg für den Slovenen aus. Aber der32-jährige Schweizer kämpfte sich in der zweiten und zugleich finalen Runde an Halzer heran und konnte ihn mit einem phänomenalen Zielsprint noch überholen. Sein Kommentar: “Ich kann es nicht glauben, dass ich der erste Eliminator Weltmeister der Geschichte geworden bin. Ich hatte eine durchwachsene Saison, Olympia war nicht so gut und gestern war es höchstens ok. Jetzt bin ich einfach nur happy!“

Der Deutsche Manuel Fumic startete als einer der Favoriten und zeigte sich in Topform auf Finalkurs, bis er im Halbfinale direkt nach dem Start zu Fall kam und deswegen lediglich ins Small Final gegen seinen Landsmann Simon Gegenheimer, Paul van der Ploeg (AUS) und den Belgier Fabrice Mels, welches er dann aber mit einem starken Zielsprint für sich entscheiden konnte. Mit lässigen Wheelies und dynamischem Drift im Ziel erfreute der dreifache Olympia-Teilnehmer die Zuschauer.

Hier die Ergebnisse der Herren Finals:

1. Naef, Ralph (SUI)
2. Halzer, Miha (SLO)
3. Federspiel, Daniel (AUT)
4. Pfäffle, Christian (GER)
5. Fumic, Manuel (GER)
6. Mels, Fabrice (BEL)
7. Gegenheimer, Simon (GER)
8. Van der Ploeg, Paul (AUS)

Die schnellen Ladys - Foto: Ale Di Lullo

Bei den Damen traf Siegerin Engen auf die Polin Aleksandra Dawidowicz, Jolanda Neff und Ramona Forchini (beide SUI). Neff und Engen lieferten sich ein packendes Duell bei dem die Führung von Kurve zu Kurve wechselte. Auf der Zielgeraden war Neff sogar noch auf Goldmedaillen-Kurs, in sprichwörtlich letzter Sekunde konnte die Schwedin noch an Neff vorbeiziehen. Im ersten Siegerinterview äußerte sie sich folgendermaßen: „Es war so hart gegen Jolanda. Sie hat mich zweimal überholt, ich sie zweimal, zum Glück war mein Überholmanöver das letzte des Rennes. Unglaublich, ich kann es gar nicht fassen!“

Neff und Engen im Ziel-Duell - Foto: Ale Di Lullo

Alexandra Engen, die erste Weltmeisterin im Cross Country Eliminator in Saalfelden äußerte sich nach dem Rennen: „Ich wollte mir das Ding einfach nicht mehr aus der Hand nehmen lassen, dann habe ich aufgehört nachzudenken und einfach noch einmal alles gegeben.“ Dieser Entschluss machte bescherte der Schwedin im XC Eliminator im Stadtzentrum von Saalfelden vor einer beeindruckenden Zuschauerkulisse einen großen Tag. Ihre größten Podiumshoffnungen hatten auf ihrer Paradedisziplin im XC Eliminator am Sonntag geruht. Bereits in der Qualifikation meldete sie mit der absoluten Bestzeit und drei Sekunden Vorsprung auf die Konkurrenz ihren Medaillenanspruch an.

Alexandra Engen auf Siegeskurs - Foto: Thomas Weschta

Ähnlich wie beim XCE Weltcupsieg in Nove Mesto (CZE) konnte die Schwedin jeden Heat gewinnen und verwies in einem packenden Finale mit mehreren Führungswechseln die Schweizerin Jolanda Neff und die Polin Dawidowicz auf die weiteren Ränge. „Ich kann das Gefühl gar nicht beschreiben, ich musste im Finale hart kämpfen und wollte das Rennen einfach unbedingt gewinnen. Ich wollte den Sieg nicht mehr aus der Hand geben. Das war aber sicher das spannendste Eliminator Finale, das ich je gesehen habe oder gefahren bin. Ich bin so glücklich, dass ich das hier erleben darf und möchte mich bei allen bedanken, die das ermöglicht haben. Das ist ein unglaublicher Sieg in einer Saison, die mit einer Verletzung im Frühjahr gar nicht positiv begonnen hat“, waren die ersten Worte nachdem sich die frisch gebackene Weltmeisterin vor dem Österreichischen Publikum verneigte und stolz ihr Rad im Zielraum küsste.

Ellbogen raus! Foto: Marius Maasewerd

Hier die Ergebnisse der Damen Finals:

1. Engen, Alexandra (SWE)
2. Neff, Jolanda (SUI)
3. Dawidowicz, Aleksandra (POL)
4. Forchini, Ramona (SUI)
5. Stirnemann, Kathrin (SUI)
6. Lechner, Eva (ITA)
7. Ravanel, Cécile (FRA)
8. Oberpaleiter, Anna (ITA)

Die Premiere des XC Eliminator war aus sportlicher Sicht ein voller Erfolg und hat die noch junge Disziplin mit Sicherheit vielen Menschen publikumswirksam näher gebracht. Die Organisatoren und die UCI blicken nicht ohne Stolz auf 12 gelungene WM-Tagezurück, bei denen stets auf die lautstarke Unterstützung der Fans und Anwohner Verlass war, ebenso wie auf die umfangreiche Berichterstattung der Fachmedien wie auch der Tagespresse. Dafür bedankt sich das Organisationskomitee im Namen aller Beteiligten der UCI Mountain Bike & Trials Weltmeisterschaften 2012 ganz herzlich.

Ein Beispiel-Video für spannendes XCE-Racing:

(Text: Marc Brodesser & Rasoulution & Ghost Bikes // Fotos: Ale Di Lullo; Thomas Weschta, Marius Maasewerd)

3 Antworten

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