Drucken Shortlink

Bike-Passion: Radblog-Macher Detlef Kast im Interview

In unseren Interviews lernen wir nicht nur Top-Athleten kennen, sondern schauen auch gerne hinter der Kulissen der Macher und leidenschaftlichen Radsport-Enthusiasten. Detlef Kast betreibt den Radblog rund-ums-rad.info und erzählt uns über seine Projekte und Bike-Vorlieben.

Hi Detlef! Stell dich bitte mal kurz den Lesern vor.

Hallo. Also, mein Name ist Detlef Kast und bin der Inhaber des Radblogs www.rund-ums-rad.info. In der Bike-Szene selber findet ihr mich nicht, da ich ein reiner Hobbybiker bin, also keine Rennen, keine Events, einfach nur zum Spaß und Ausgleich raus in die Natur. Einige werden jetzt sicherlich denken: “Hobbybiker und macht mit seinem Blog einen auf Profi.”…nein, eben nicht. Ich sehe mich keineswegs als Profi und hab sicherlich in meinem Team die wenigste Ahnung von der Materie. Der Blog ist entstanden, weil ich zum einen gerne Fahrrad fahre und zum anderen gerne ein wenig Webseiten gebastelt habe. So konnte ich beides wunderbar verknüpfen. Der Vorteil an der Sache ist, dass ich dadurch viel lerne. Jede Anfrage eines Besuchers, die ich nicht beantworten kann, wird im Team verteilt und einer oder eine davon weiß immer Rat. So lerne nicht nur ich, sondern auch andere. Es geht einfach darum, dass es Spaß macht. Zwischenzeitlich ist mir die Sache sehr ans Herz gewachsen vor allem weil wir hier in Baden-Württemberg ja noch im Wald die 2-m-Regelung haben. Hier ist so ein Blog natürlich eine feine Sache um die Problematik weit zu streuen um darauf aufmerksam zu machen. Auch auf unserer Facebookseite konnte man feststellen, dass hier großes Interesse an dem Problem besteht. Wir versuchen auch so viele Infos wie möglich zu streuen.

Was macht deinen Radblog aus und hebt ihn von anderen Webseiten ab?

Tja, das ist immer so eine Frage. Was hebt uns von anderen Seiten ab? Schwierig. Im Grunde mag ich uns mit anderen Seiten gar nicht vergleichen, das wäre viel zu mühsam weil es ja auch eine Vielzahl von privaten Blogs im Netz gibt. Jeder von uns Autoren schreibt einfach über das, was er gerne mag bzw. wo er seinen Schwerpunkt sieht. Klar versuche ich auch ab und zu mal Themen dem einen oder anderen Autor schmackhaft zu machen, aber leider gelingt es mir nicht immer 😉 Dies finde ich aber auch nicht schlimm, weil gute Berichte gibt es nur, wenn man Spaß am Thema hat und sich entsprechend auskennt. Unser Herzstück ist sicherlich neben die vielen Rennberichten aus den Bereichen XC und Enduro unsere Testabteilung. Im Jahr 2013 haben wir damit eigentlich erst richtig angefangen und sind immerhin schon bei der stolzen Anzahl von über 140 Testberichten. Da muss ich schon sagen, dass ich auf meine Mädels und Jungs sehr stolz bin, weil das schon eine beachtliche Leistung ist, wenn man überlegt, dass wir das alles in der Freizeit neben Beruf und Studium machen. Natürlich sind wir auch den Firmen dankbar, die uns mit Testmaterial unterstützen. Auch wenn das sicherlich nicht immer einfach ist, da die Firmen hauptsächlich die Printmedien versorgen und einen “kleinen” privaten Blog eher skeptisch anschauen. Aber ich denke ich kann mit Recht sagen, dass wir unsere Arbeit gut machen. Wir haben vom Gefühl her den richtigen Weg eingeschlagen. Keine Labortests, keine Maschinenprüfungen, testen in der Natur, so wie es der Endverbraucher schließlich auch macht. Wir werden weiter diese Weg bestreiten, da wir auch von vielen Besuchern positives Feedback in dieser Richtung erhalten haben.

Viele Biker beschränken sich auf eine Radsport-Disziplin – was machst du so auf zwei Rädern?

Also im Grunde gibt es bei mir keine richtige Disziplin. Ich sitze auf das Rad und fahre in den Wald. Also so eine Mischung aus Freeride und Enduro aber nicht so extrem. Eher der gemütliche Fahrer. Liegt wohl aber auch eher daran, dass ich vor der Haustüre nicht so extreme Berge mit entsprechenden Abfahrten habe. Gerne fahre ich auch mit der ganzen Familie in den Wald, einfach mal weit ab vom Schuss. Meine Kinder wurden zwischenzeitlich beide mit einem Mountainbike ausgestattet. Bietet sich im ländlichen Bereich ja auch eher an als ein Rennrad.

Du fährst auch viel MTB – was magt du am Gelände-Biken besonders?

Naja, am liebsten natürlich den Berg wieder runter, ist doch klar. Aber auch schöne weiche Waldböden finde ich sehr angenehm zum fahren. Flowige Trails würden mir auch gefallen, aber die gibt es leider bei mir vor dem Haus nicht. Auch einen Bikepark wird man hier vergeblich suchen. Hierzu muss ich immer das Rad ins Auto packen und in Richtung Schwarzwald fahren. Aber ich will mich nicht beschweren. Zum Entspannen und abschalten reichen mir meine Hausstrecken durch den Wald.

Wie bist du zu deinen Anfangszeiten in die MTB-Szene hinein gerutscht?

Also in der Szene bin ich ja gar nicht so richtig drin und würde es mir auch nicht anmaßen dies zu behaupten. Klar, durch meinen Blog hat man schon mal Kontakt zu den einen oder anderen aus der Szene.
Da lernt man dann Leute wie z.B. dich kennen. Interessant sind auch Kontakte zu bekannten Radprofis, mit denen wir schon das ein oder andere Interview gemacht haben. Am Anfang ist man da immer etwas vorsichtig und schüchtern. Muss man aber nicht. Im Grunde sind es Menschen wie du und ich. Die sind alle super gut drauf und geben gerne Interviews.

Was war dein erstes MTB und wie verlief dessen Lebensdauer?

Oje, das ist schon lange her. Das war ein gelbes Bianchi. Hm, wann hab ich das gekauft…das war sicherlich 2002 oder 2003. Hatte damals noch nicht mal eine Federgabel. Ich habe dann ein paar Jahre später beim Händler eine reduzierte Federgabel gekauft und von Cantilever-Bremsen auf V-Brakes umgebaut.
Das war schon ein Quantensprung damals 😉 Das Rad war soweit für meine Bedürfnisse zunächst ok. Gut zugegeben. Auf Amrum im Sand damit zu fahren war vielleicht nicht die cleverste Idee, aber da war das Teil ja auch schon 6-7 Jahre alt. Aufgrund eines Bandscheibenvorfalles wollte ich aber etwas “bequemeres” haben, bei dem ich auch aufrechter Sitzen kann, weshalb ich mir 2012 dann das Centurion No Pogo 3 gekauft habe. Mit dem bin ich sehr zufrieden und das wird mich auch noch eine Weile aushalten.

Was hat dich zu der Zeit am Radsport so fasziniert? Sind das heute andere Dinge?

Nein. Es ist immer noch schön durch den Wald zu fahren. Zumindest hier bei uns in der Gegend ist es noch schön ruhig und du bist alleine. Da kann man schön entspannen und seinen Gedanken freien Lauf lassen. Das ist für mich Erholung pur.

Welche bemerkenswerten Reviere hast Du bisher mit dem MTB besucht?

So direkte Bike-Reviere bislang keine habe aber vor ein paar Bikeparks aufzusuchen. Ich versuche immer mein Bike in den Urlaub mitzunehmen. Von daher war ich schon im Allgäu bei Missen/Börlas unterwegs aber auch schon in Österreich im Maltatal oder beim Fahrtechniktraining im Bayerischen Wald. Ich mag es lieber ruhiger und da sind mir “normale” Wälder lieber. Geplant ist irgendwann eine Alpenüberquerung oder den Stoneman-Trail zu fahren. Wann es soweit ist kann ich noch nicht sagen, aber ihr werdet sicherlich im Blog davon erfahren.

Was haben Du und deine Partner für die nahe Zukunft weiter geplant?

Naja, am Anfang der ganzen Geschichte gab es ja zwei Blogs. Einmal das Radtouren-Verzeichnis und Rund-ums-Rad.info. Da mit der Pflegeaufwand aber zu groß war, wurden diese Ende Januar 2013 zusammengeführt und laufen jetzt unter www.rund-ums-rad.info. Wenn du meinst Partner würde ich eher hier mein Team nennen. Die Reise soll ganz klar so weitergehen wie bisher. Wir schreiben Artikel, testen Parts für die Leser und erfreuen uns am Radfahren. Nee mal ernsthaft. Aktuell sind wir dabei ein großes Netzwerk an Kontakten im Fahrradbereich aufzubauen, so dass wir den Besuchern eine noch größere Auswahl bieten können. Immerhin sind wir nun in der Lage alles vom BMX über das E-Bike, vorbei an Enduro und Gravity zum Rennrad und am Schluss noch XC/Marathon abzudecken. Diese Vielfalt bieten nicht viele und da sind wir stolz darauf. Auch stolz sind wir auf unsere internationale Besetzung. Neben den Autorinnen und Autoren aus Deutschland haben wir noch einen Autor aus Österreich (Bereich BMX) und seit neuestem auch noch einen Fahrer aus Luxembourg (Enduro und Rennrad). Das ist vor allem auch von der Seite her interessant, da man auch von den gesetzlichen Vorgaben in deren Ländern etwas erfährt. Das Netzwerk soll aber auch dazu dienen, dass wir noch mehr Produkte testen können und uns nicht auf einzelne Unternehmen beschränken müssen. Aber wie bereits oben erwähnt, sind viele Firmen noch sehr vorsichtig. Von daher müssen wir noch an unserem Bekanntheitsgrad arbeiten, damit wir entsprechend bei den Firmen Anklang finden. Das Team und ich sind jedenfalls hoch motiviert und wir geben unser Bestes, damit der Leser gute Artikel bekommt.

Welche bekannten MTB-Profis bewunderst du aktuell am meisten und warum gerade die?

Es gibt keine bestimmte Person, die ich bewundere. Im MTB-Sport bewundere ich grundsätzlich alle, weil der MTB-Sport leider noch eher eine Randsportart ist und die Fahrerinnen und Fahrer nicht die Beachtung erhalten, die sie eigentlich verdient hätten.

Welche Einflüsse aus der MTB-Szene haben dich denn am meisten geprägt (z.B. Bikevideos)?

Wovon ich immer noch fasziniert bin, ist das Video von Christina, die trotz ihrer Querschnittslähmung Downhill fährt. Dies zeigt doch ganz deutlich, dass man nahezu alles erreichen kann, wenn man nur einen festen Willen hat. Vor solchen Menschen habe ich sehr großen Respekt und ich finde es gut, wenn diese Menschen sich so der Öffentlichkeit präsentieren um zu sagen “Das Leben geht weiter und es ist ein schönes Leben”.

Was hast du für deine Terminplanungen für 2014 in Sachen Mountainbiken so vorgesehen – trifft man dich auf größeren Events?

Naja, wie schon erwähnt bin ich nicht so der Fan von Massenveranstaltungen. Das überlasse ich dann lieber meinen Autoren. Ich denke mal, dass wir beim Bikefestival in Willingen, beim Dirtmasters-Festival und auf der Eurobike zu finden sind. Solche Events sind immer sehr sinnvoll um mit den Herstellern mal persönlich ins Gespräch zu kommen um uns vorzustellen. Ansonsten stehen wir natürlich hinter unseren Teamfahrerinnen und Fahrern und hoffen, dass sie eine gute Saison haben. Über die Rennen berichten diese natürlich auch, so dass der Leser immer auf dem aktuellen Stand ist.

Was steht so alles auf deiner “Bike-Erlebnisse, die ich in meinem Leben abhaken möchte”-Liste?

Auf Platz 1 definitiv “Transalp”. Das hab ich schon länger vor, ging aber leider bislang nicht. Vermutlich wird das auch 2014 nix, da ich im Januar einen erneuten Bandscheibenvorfall hatte. Geplant ist es, dass ich mit Kumpels gehe und die alle unter einen Hut zu bringen ist schwierig. Zudem ist so ein “Zusatzurlaub” als Familienvater nicht immer drin, aber ich habe es im Fokus und ihr bekommt es auf alle Fälle mit, wenn ich losfahre.

Dann ist wie bereits erwähnt der Stoneman-Trail (http://www.stoneman.it/) eine interessante Geschichte die mich reizt. Aber alles zu seiner Zeit. Ich hoffe sehr, dass ich eines davon im Jahr 2015 erledigen und abhacken kann.

Wo liegen deine Lieblings-Reviere für’ MTB-Touren (einmal in der Nähe und einmal weiter entfernter bitte)?

So ein richtiges Lieblingsrevier hab ich leider nicht. Das liegt eher daran, dass ich meist erst abends zum Biken komme und dann nicht ewig weit mit dem Auto fahren möchte. Von daher fahre ich direkt vor der Haustüre im Wald. Das ist jetzt zwar keine große Herausforderung (der ein oder andere würde es vermutlich gerade mal zum Aufwärmen nehmen) aber zum entspannen reicht es doch. Ansonsten müsste ich mit dem Auto in Richtung Schwarzwald fahren, da ich am nördlichen Rand des Schwarzwaldes wohne. Klar, Bad-Wildbad wäre nicht weit, aber ich bin kein Downhiller. Ich hab mir die Strecke mal angeschaut. Mädels und Jungs, Respekt wenn ihr da runterdonnert….aber ich nicht…ich passe 😉

Sehr schön war es auch beim Fahrtechniktraining im Bayerischen Wald in St. Englmar. Im Grunde bin ich ja hier ein “Flachlandtiroler”. So richtige Berge haben wir ja nicht, von daher war das schon eine andere Nummer. Für mich war das neu, dass man unzählige Kilometer an Singletrails haben kann…einfach irre.
Da sind die anderen Bundesländer ohne die 2-m-Regelung schon zu beneiden.

Welches Erlebnis bei einem Reisetrip wirst du nie vergessen?

Ha, da fällt mir nur der Bayerische Wald ein. Ich muss noch mal auf das Fahrtechniktraining zurückkommen. Das hat Andi Schuster gemacht. Also, nachdem morgens Theorie und Praxis beendet waren, ging es auf eine kleine Runde vor der Mittagspause. Erst mal schön den Berg hoch und dann später auf einem geteerten Weg runter zum Parkplatz. Ist ja erst mal nix spannendes. Wenn da nicht der Andi während der Abfahrt auf dem Hinterrad an mir vorbeigerauscht wäre….Hallo…….wir fahren im Grunde wie die Irren den Berg runter und er weiß nix besseres als uns auf dem Hinterrad zu überholen? Einfach ein irrer Typ. Ach ja…Achtung Werbung: Den Bericht darüber gibts hier: rund-ums-rad.info/fahrtechniktraining-und-radtour-mit-bayerwald-bike

Was war das eindrucksvollste Bike-Erlebnis das du je mitgemacht hast?

Ich hoffe dass kommt noch, wenn ich meinen Transalp oder den Stoneman-Trail fahre.

Dein Lieblingsprodukt aller Zeiten im Radsportbereich?

Das Mountainbike an sich. Es ist einfach herrlich durch den Wald oder in den Bergen zu fahren. Egal ob Fully oder Hardtail. Die Natur genießen und den Wind um die Nase wehen lassen, ist einfach nur herrlich.

Was ist die wichtigste Lektion die das Leben dich gelehrt hat?

Ich denke es ist wichtig, dass man sich gerade beim Mountainbikefahren nicht überschätzt, klar seine Grenzen kennt und diese auch akzeptiert. Wie schnell liegt man im Dreck, wie schnell ist die Schulter kaputt. Von daher sollte man ab und an auch mal Nein sagen und zu seiner Entscheidung stehen.

Welchen besten Tipp hast du mal an jemand anderen gegeben?

Hm, das ist schwer und im Grunde fällt mir da nichts spektakuläres ein. Guten Freunden gibt man immer wieder mal Tipps, es gehört einfach dazu. Ob und was dann letztendlich der Beste ist oder war, ist im Nachhinein schwer zu sagen.

Was war der wichtigste Ratschlag eines Freundes, den du je bekommen hast?

Das ich doch einen Blog mit dem Thema Fahrrad erstellen soll. Gesagt getan. Aus der Idee wurde dann Rund ums Rad

Was führt dich in Versuchung?

Meine Frau 😉

Was macht dich glücklich?

Auf jeden Fall mal meine Familie und dann auch das Fahrradfahren, allein im Wald ohne Stress und Hektik.

Dein größter Erfolg?

Puh, Erfolg. Was versteht man unter Erfolg? Das erreichen selbst gesetzter Ziele. In Bezug auf den Blog würde ich sagen, dass wir da noch am Erfolg arbeiten. Das Ziel ist auf jeden Fall den Blog am Leben zu erhalten. Ihn weiterhin auszubauen und Spaß daran zu haben. Dann stellt sich sicherlich auch irgendwann der Erfolg ein.

Deine größte Angst?

Dass ich nicht mehr Radfahren kann.

Welche drei Eigenschaften sagt man dir nach?

Man sagt, ich sei lustig, hilfsbereit und tiefenentspannt. So schnell bringt mich nichts aus der Ruhe. Aber wenn man es dann doch mal schafft, ist es vorbei mit Entspannt 😉

Wie möchtest du gerne in Erinnerung gehalten werden?

In Bezug auf den Blog würde ich mir einfach wünschen, dass die Besucher gerne wiederkommen und uns weiterempfehlen. Wir wollen das Rad auf keinen Fall neu erfinden, aber wir wollen die Dinge doch etwas anders anpacken als die großen professionellen Blogs oder Printmedien. Und ich denke, das macht uns zu etwas besonderem und es wäre schön, wenn man uns so in Erinnerung behalten würde.

Erreichbarkeiten:
Blog: http://www.rund-ums-rad.info
Facebook: http://www.facebook.com/Radblogs
Google+: https://plus.google.com/+Rund-ums-rad-info

Kommentare sind ausgeschaltet, aber trackbacks und pingbacks sind erlaubt.